Stadtmuseum Pforzheim: „Die freie Sicht auf Pforzheim“ – Fotografien von Bernhard Friese

Am Ende des Tunnels zwischen Paris und Wien taucht dieser Turm auf. Er steht fur eine Bilanzsumme von fast 11 Milliarden € und für 54 Kilo gehandeltes Gold (2014). Mit dem Tunnel wurde seinerzeit die Stadt an die Welt angeschlossen und dem Welthandel geöffnet. So stehen sich jetzt Tunnel und Turm gegenüber, als zwei komplementäre Zylinder, der eine hohl und der andere voll, der eine liegend, der andere stehend. Nordstadt – Hachelbrücke – März 2015

Was sehen wir, wenn wir Pforzheim ohne Vorurteile anschauen, frei und unverstellt? Frei von den »blinden Flecken der Gewohnheit, der Zielgerichtetheit des täglichen Tuns, den lenkenden Absichten wie Schönfindenmüssen oder Kritischsehenwollen« (Markus Grob)? Geht das überhaupt?

Um Fassaden voneinander zu unterscheiden und gegenseitig herzuvorheben, ziehen die Gestalter alle Register der jeweils gängigen Baupraxis und Bauprodukte. In der Verdichtung dieser Straßenschlucht erscheinen sie wie zusammengenähte einzelne Stoffstücke auf einem Quilt. Die unterschiedlichen Herkünfte sind ihnen anzusehen, ihr unerwartetes Zusammentreffen hier überrascht, und das erzeugt die großstädtische Faszination dieser Straße. Innenstadt – Zerrenerstraße – März 2015

Ausgehend von solchen Fragen hat der Architekturfotograf Bernhard Friese eine neue Annäherung an das Aussehen der Stadt Pforzheim gewagt. Es geht dabei weder um Pforzheims »schöne Ecken« noch darum, das Gesicht der Stadt irgendwie zu werten. Es geht um einen neugierigen, interessierten Blick, nicht mehr und nicht weniger.

Bernhard Friese lebt als freier Architekturfotograf in Pforzheim. Er assistierte viele Jahre lang dem renommierten Stuttgarter Architekturfotografen Roland Halbe. Heute fotografiert Friese bundesweit für Architekten und Unternehmen und steht in engem Dialog mit dem Fachbereich Architektur an der Universität Kaiserslautern.
Begleitet werden seine etwa 50 Fotos von kurzen Kommentaren, die Markus Grob verfasst hat, assoziierter Professor an der HfG Karlsruhe, Architekt und Autor einer Reihe von Texten zur Architektur und der Stadt.In seinen Thesen plädiert er für einen gleichzeitig bewussten und unbefangenen Blick auf die Stadt, wenn er beispielsweise formuliert:
»Gesehenwerden ist für Städte wie Wasser für Blumen. Was heute zu sehen ist, ist so, weil es einmal gewollt worden ist; wenn es verändert, verlassen oder vergessen wurde, beweist das nur ihr Leben.«

„In Gesprächen mit Kunden und Freunden erlebe ich immer wieder, dass die meisten Menschen unsere Stadt Pforzheim eher als negativ und hässlich bezeichnen würden. Aus diesem Grund möchte ich allen Menschen, welche Pforzheim gerne liebevoll entgegentreten möchten, die hier vorgestellte Ausstellung im Stadtmuseum Pforzheim in Brötzingen empfehlen. Sie läuft noch bis Mitte Juni diesen Jahres – ich finde es lohnt sich sehr!“ Andreas Klug, barbers

Danke an Bernhard Friese für die Veröffentlichungsrechte seiner Fotografien auf diesem Blog Beitrag.